IGE-Sprachdienst 2026: Neue Herausforderungen, neue Chancen
von Patrizia Napoli
Wie bleibt ein Sprachdienst relevant, wenn KI-Tools immer leistungsfähiger werden und Mitarbeitende ihre Texte zunehmend selbst erstellen, übersetzen und überarbeiten? Genau mit dieser Frage beschäftigte sich der Sprachdienst des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum (IGE) im Rahmen einer umfassenden Auftraggeberumfrage.
Bereits 2021 hatte Language Box den IGE-Sprachdienst bei einer Business-Analyse begleitet und gemeinsam mit dem Team konkrete Optimierungsmassnahmen erarbeitet. Fünf Jahre später stellte sich die Frage erneut: Wie haben sich die Bedürfnisse der internen Auftraggeber:innen verändert und welche Rolle soll der IGE-Sprachdienst künftig in einer zunehmend KI-geprägten Arbeitswelt übernehmen?
Im Gespräch erklärt Mireille Tschannen, stellvertretende Leiterin des IGE-Sprachdiensts, weshalb das Beratungsmandat weit über eine klassische Umfrage hinausging.
Mireille Tschannen, weshalb hat sich der IGE-Sprachdienst für eine erneute Auftraggeberumfrage entschieden?
Die Ausgangslage hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Immer mehr Kolleg:innen nutzen KI- und Übersetzungstools selbstständig, Post-Editing gewinnt an Bedeutung und die Erwartungen an Sprachdienstleistungen werden komplexer. Für uns war deshalb klar: Wir brauchen aktuelle und aussagekräftige Informationen, bevor wir strategische Entscheidungen treffen. Die Umfrage sollte dabei nicht nur eine reine Standortbestimmung sein, sondern auch konkrete Antworten auf aktuelle Herausforderungen liefern und als Grundlage für die zukünftige Ausrichtung des IGE‑Sprachdiensts dienen.
Welche Rolle spielte Language Box dabei?
Language Box hat uns von Anfang an strategisch und fachlich begleitet. Gemeinsam haben wir zunächst definiert, welche Herausforderungen wir adressieren wollen und welche Erkenntnisse wir für fundierte Entscheidungen tatsächlich benötigen. Diese Überlegungen wurden in einer Zieldefinition festgehalten, die als verbindlicher Orientierungsrahmen für die Konzeption der Umfrage, die Auswertung der Ergebnisse und die Erarbeitung der Optimierungsmassnahmen diente.
Das war für uns enorm wertvoll, da man sich in solchen Projekten schnell verzetteln kann. So konnten wir den Fokus konsequent auf die wirklich relevanten Fragestellungen richten.
Braucht es für eine einfache Umfrage denn wirklich externe Beratung?
Eine Umfrage mit strategischem Mehrwert zu erstellen, klingt einfacher, als es tatsächlich ist. Die Herausforderungen beginnen bereits bei der Konzeption und beim Aufbau der Fragen: Möchte man einfach Meinungen sammeln oder wirklich aussagekräftige Ergebnisse erhalten? Eine gute Umfrage muss deshalb von Anfang an mit Blick auf die spätere Auswertung konzipiert werden – andernfalls läuft man Gefahr, am Ende zu viele Daten zu haben, daraus aber keine konkreten Schlüsse ziehen zu können. Dazu braucht es methodisches Know-how und einen Überblick über die relevanten Einflussfaktoren. Mit Language Box an unserer Seite konnten wir diese Voraussetzungen erfüllen.
Hinzu kommt, dass man als interne Mitarbeitende naturgemäss eine gewisse Betriebsblindheit hat. Die externe Perspektive von Language Box hat unseren Horizont erweitert, den Fokus geschärft und Themen sichtbar gemacht, die wir möglicherweise übersehen hätten. Dies hat es uns erlaubt, die Fragen gezielt so aufzubauen, dass wir bei Bedarf auch vertiefende Gespräche mit den Teilnehmenden führen konnten – was sich später als grosser Vorteil erwies.
Das Beratungsmandat umfasste also mehr als nur eine Umfrage?
Genau. Parallel zur Befragung wurde gemeinsam mit Language Box eine Positionierungsstrategie für den IGE-Sprachdienst erarbeitet. Die zentrale Frage lautete: Welche Rolle soll der IGE-Sprachdienst künftig innerhalb des IGE einnehmen? Die Ergebnisse haben gezeigt, dass Sprach-, Technologie- und Strategiethemen zunehmend zusammenwachsen. Language Box hat uns entsprechend konkrete Wege aufgezeigt, wie wir unsere Position als sprachliche und sprachtechnologische Kompetenzstelle stärken und unsere Expertise künftig noch früher in organisationsweite Entscheidungen einbringen können.
Welche weiteren Leistungen hat Language Box erbracht?
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war die analytische Auswertung der Ergebnisse. Language Box hat die Daten nicht nur aggregiert ausgewertet, sondern auch zielgruppenspezifisch aufbereitet. Dadurch konnten wir unterschiedliche Stakeholder mit genau den Informationen ansprechen, die für sie relevant sind. Das hat die anschliessenden Gespräche erheblich erleichtert und geholfen, die jeweiligen Bedürfnisse und Erwartungen gezielt zu adressieren.
Was hat Sie an den Ergebnissen am meisten überrascht?
Das hohe Qualitätsbewusstsein der Teilnehmenden. Obwohl KI-gestützte Tools mittlerweile breit eingesetzt werden, legen die Auftraggeber:innen des IGE bei wichtigen Dokumenten weiterhin grossen Wert auf professionelle Übersetzungen, Korrektorate und Lektorate. Gleichzeitig bestätigt die Umfrage den Trend, dass einfachere Text- und Übersetzungsaufgaben zunehmend selbstständig bearbeitet werden. Für uns war diese Erkenntnis besonders wertvoll, weil sie deutlich macht, wo unser zukünftiger Mehrwert liegt.
Und wo liegt dieser Mehrwert konkret?
Spätestens seit dem Aufkommen von DeepL, Google Translate und anderen maschinellen Übersetzungstools ist klar, dass die klassische Übersetzungstätigkeit allein die heutigen Anforderungen an Sprachdienstleistungen nicht mehr abdeckt. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass Technologie den Menschen nicht ersetzt, sondern sinnvoll ergänzt. Dies wird auch mit der weiteren Verbreitung von KI-gestützten Tools der Fall sein. Die Umfrageergebnisse bestätigen diesen Trend deutlich: Der Bedarf an Beratung, Qualitätssicherung, Post-Editing sowie sprachtechnologischer Expertise nimmt kontinuierlich zu.
Gerade beim Einsatz von KI besteht ein wachsender Bedarf an Orientierung, Terminologiemanagement und Qualitätskontrolle. Hier liegt für den IGE-Sprachdienst eine grosse Chance, seine Rolle als kompetente Anlaufstelle für sprachliche und sprachtechnologische Fragestellungen weiter auszubauen und einen nachhaltigen Mehrwert für die Organisation zu schaffen.
Welches sind die nächsten Schritte?
Besonders wichtig ist aus unserer Sicht die frühzeitige Einbindung des Sprachdiensts bei Entscheidungen zu KI- und Übersetzungstechnologien. Themen wie Sprachqualität, Terminologie, Konsistenz und Qualitätssicherung betreffen letztlich die gesamte Organisation und sollten deshalb von Anfang an mitgedacht werden. Die Unterstützung von Language Box war auch dabei wertvoll, um Prioritäten zu setzen und die nächsten Entwicklungsschritte zu strukturieren – allen voran die weitere Vernetzung mit anderen Abteilungen, die fachliche Weiterentwicklung des Teams sowie der Ausbau unserer Rolle als Beratungs- und Qualitätssicherungsstelle.
Zum Schluss: Warum haben Sie sich nach 2021 erneut für Language Box entschieden?
Weil wir bereits die erste Zusammenarbeit als ausserordentlich gewinnbringend erlebt haben. Die damaligen Empfehlungen bildeten die Grundlage für viele positive Entwicklungen der letzten Jahre. Entsprechend lag es nahe, bei der nächsten strategischen Standortbestimmung wieder auf Language Box zu setzen. Besonders geschätzt haben wir die Fähigkeit, komplexe Fragestellungen auf das Wesentliche zu reduzieren. Die Umfrage war dadurch nicht nur methodisch fundiert, sondern vor allem praxisorientiert. Genau deshalb konnten wir aus den Ergebnissen konkrete Massnahmen ableiten, statt einen Bericht zu produzieren, der anschliessend in einer Schublade verschwindet.
Unser Fazit: Language Box hat uns nicht nur bei der Planung und Umsetzung der Auftraggeberumfrage unterstützt, sondern auch bei der Ableitung von konkreten Massnahmen. Genau das machte die Zusammenarbeit für uns besonders wertvoll.
Mireille Tschannen, herzlichen Dank für dieses Interview.
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